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Individuelle Hilfen/​Schulbegleitung

„Wir investieren, um später nicht zu reparieren“: Was das Modellprojekt Schulbegleitung an der Schillerschule verlässlicher, flexibler und präventiv macht

(Diesen Inhalt gibt es leider noch nicht in leichter Sprache. Wir arbeiten gerade daran.)

An der staatlichen Grundschule »Friedrich Schiller« in Jena wird seit zwei Jahren erprobt, wie Schulbegleitung anders organisiert werden kann: flexibler, bedarfsgerechter und präventiver. Im Rahmen eines Modellprojekts der Stadt Jena arbeitet QuerWege mit einem festen Team von Schulbegleitenden an der Schule. Grundlage ist ein personenzentriertes Schulbudget mit dem die Schillerschule in enger Zusammenarbeit mit dem Jenaer Integrationsdienst und QuerWege als Träger der Eingliederungshilfe einen neuen Weg ausprobiert. Das bedeutet: Fachleistungsstunden sind nicht mehr ausschließlich starr an einzelne Kinder mit Eingliederungshilfe gebunden, sondern können bei Bedarf und Kapazität innerhalb der Schule durch das Team von QuerWege flexibler dort eingesetzt werden, wo Unterstützung gerade gebraucht wird.

Wir trafen uns zu einem Gespräch mit Pädagog*innen und Schulleitung der Schillerschule, einem Elternteil sowie Schulbegleitenden von QuerWege. Nach zwei Jahren ziehen alle eine deutliche Bilanz: Das Modellprojekt hat den Alltag für Kinder, Eltern und das gesamte Schulteam spürbar verbessert.

VERLÄSSLICHKEIT FÜR KINDER: »ES IST IMMER JEMAND FÜR MICH DA«

Vor dem Modellprojekt arbeiteten an der Schillerschule mehrere Träger parallel. Wenn eine Schulbegleitung erkrankte, konnte nicht automatisch jemand anderes einspringen. Für die betroffenen Kinder bedeutete das: Unterstützung fiel mitunter aus, vertraute Personen wechselten oder fremde Begleitungen kamen aus anderen Schulen (vom gleichen Träger) kurzfristig hinzu.

Seit zwei Jahren ist das anders. Durch das feste QuerWege-Team vor Ort sind Vertretungen innerhalb der Schule selbstverständlich. Ein Stundenpool für das ganze Jahr, errechnet auf Grundlage aller Fachleistungsstunden an der Schule, erlaubt es, dass unkompliziert und flexibel reagiert werden kann. Ist der oder die eigene Klient*in nicht in der Schule, kann sich die Schulbegleitung um andere Schüler*innen kümmern. Dadurch lernen sie auch die Kinder außerhalb »ihrer« Klasse kennen. Für die Kinder kommen mehr vertraute Personen hinzu, sie erfahren, dass immer jemand verlässlich da ist. Das schafft Sicherheit. Diese Kontinuität ist für viele Kinder entscheidend. Sie können Beziehungen aufbauen, Vertrauen entwickeln und sich besser auf den Schulalltag einlassen.

FRÜH UNTERSTÜTZEN, BEVOR PROBLEME GRÖßER WERDEN

Ein zentraler Gewinn des Modellprojekts liegt im präventiven Arbeiten. Unterstützung setzt frühzeitig an – nicht erst, wenn ein Bescheid vorliegt oder sich eine Situation bereits verschärft hat. Wenn ein Kind ohne Eingliederungshilfe in die Schule kommt, oder sich Situationen verschlechtern und deutlich wird, dass es Begleitung braucht, kann das Team frühzeitig hinschauen, entlasten und unterstützen. Das hilft besonders in Übergangs- und Diagnostikphasen. Kinder, deren Unterstützungsbedarf noch nicht abschließend geklärt ist, können bereits begleitet werden. Manche benötigen dadurch am Ende möglicherweise keine dauerhafte oder derart umfangreiche Eingliederungshilfe, weil sie früh genug stabilisiert werden.

So entstehen auch neue Möglichkeiten für die gesamte Klasse. Wenn ein Kind krank ist, eine Begleitung vorübergehend weniger intensiv gebraucht wird oder Unterstützung gut in einer Kleingruppe stattfinden kann, werden Freiräume für die Schulbegleiter*innen genutzt, um andere Kinder zu begleiten. An der Schillerschule »wird investiert, um später nicht zu reparieren«, wurde im Gespräch gesagt. Gemeint ist: Wenn Unterstützung früh, flexibel und passend ansetzt, müssen Kinder nicht erst »tief fallen«, bevor Hilfe greift.

WENIGER STIGMATISIERUNG, MEHR TEILHABE

Durch die flexiblere Organisation verändert sich auch die Akzeptanz für Schulbegleitung. Kinder werden nicht automatisch mit »ihrer« Schulbegleitung aus der Klassengemeinschaft herausgelöst. Wenn Begleitung häufiger in Kleingruppen der im Klassenverband stattfindet, dann werden sie stärker eingebunden, kommen besser mit anderen Kindern in Kontakt und erleben Unterstützung weniger als etwas Trennendes. Für die Schulgemeinschaft bedeutet das mehr Normalität im Umgang mit unterschiedlichen Bedarfen. Hilfe wird sichtbarer als gemeinsame pädagogische Ressource – nicht als Sonderlösung für einzelne Kinder.

ENTLASTUNG FÜR ELTERN

Auch Eltern profitieren von der neuen Struktur. Sie erleben mehr Verlässlichkeit, erhalten Rückmeldungen aus mehreren Blickwinkeln. Wenn Kinder frühzeitig begleitet werden, entspannt sich häufig auch die Lernsituation. Das trägt dazu bei, dass Eltern weniger ausschließlich problemorientierte Rückmeldungen bekommen. Stattdessen wird sichtbarer, was dem Kind hilft, welche Entwicklungsschritte möglich sind und wie Schule, Hort, Schulbegleitung und Elternhaus gemeinsam unterstützen können.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Durch die Abdeckung im Hort konnten an der Schillerschule mehr Kinder in die Nachmittagsbetreuung integriert werden. Für Familien bedeutet das mehr Teilhabe, mehr Planbarkeit und eine bessere Vereinbarkeit im Alltag.

DIE GANZE SCHULE PROFITIERT

Das Modellprojekt wirkt nicht nur auf einzelne Kinder. Es verändert das Zusammenspiel der gesamten Schulgemeinschaft. Wenn die Schulbegleitenden – je nach Situation – in verschiedenen Klassen eingesetzt sind, lernen sie verschiedene Lehrkräfte und Erzieher*innen und pädagogische Situationen kennen. Sie können Bedarfe nach und nach besser einordnen, zielgerichtet Unterstützung leisten und Vertrauen im gesamten Team aufbauen. Aus einzelnen Zuständigkeiten wird mehr gemeinsames Handeln. Der Effekt: Lehrkräfte, Horterzieher*innen und Schulbegleitende arbeiten nicht nebeneinander, sondern stärker miteinander, stimmen sich ab, setzen Prioritäten und verstehen sich zunehmend als Ressourcen füreinander.

Das ist nicht selbstverständlich und bedeutet mehr Kommunikation und Koordination als vorher.

  • Jeden Morgen muss geschaut werden: Wer wird wo gebraucht? Wo gibt es Lücken? Welche Unterstützung hat heute Priorität?
  • Es gibt monatliche Besprechungen zwischen Schulleitung und der QuerWege-Teamleitung.
  • Zu Jahresbeginn wird eine Übersicht unter Anbindung der Eltern erstellt, mit Kindern, bei denen eine präventive Unterstützung sinnvoll und gerechtfertigt ist und dann regelmäßig überprüft wird.

Doch genau diese guten Abstimmungen machen das System beweglicher. Die Schule kann sich besser an die Bedürfnisse der Kinder anpassen – statt zu erwarten, dass sich jedes Kind in starre Strukturen einfügen muss.

WAS DAS GELINGEN MÖGLICH MACHT

An der Schillerschule wurden wichtige Voraussetzungen geschaffen, damit das Modellprojekt wirken kann. Dazu gehören eine offene Haltung im Kollegium, klare Strukturen und Transparenz zum Projekt durch die Schulleitung, gemeinsame Planungsräume und die Bereitschaft, die Zusammenarbeit der Professionen aktiv zu gestalten. Schulbegleitung wird seit dem Modellprojekt viel stärker in Monats- und Jahresplanungen mitgedacht, ist Thema in Dienstberatungen und Teil gemeinsamer Fortbildungen, Teamtage und Veranstaltungen.

Wichtig war auch die Vorarbeit. Das Projekt ist hier nicht »über Nacht« entstanden, sondern aus einer gemeinsamen Unzufriedenheit heraus: Ressourcen sollten besser genutzt, Unterstützung verlässlicher organisiert und Kinder konsequenter in den Mittelpunkt gestellt werden. Das Projekt wurde nicht nur gut vorbereitet, sondern auch regelmäßig intern evaluiert und Verbesserungen vorgenommen.

Seit mehreren Jahren wird daran gearbeitet, diese gute Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse aus den Befragungen sind eine wichtige Grundlage dafür, nicht zuletzt für die Kooperation mit der Stadt Jena. So bleibt das Projekt lernfähig und kann nachgeschärft werden.

QUERWEGE ALS VERLÄSSLICHER PARTNER

Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Träger, der kontinuierlich vor Ort ist und die Entwicklung mitträgt. Mit QuerWege gibt es an der Schillerschule ein festes Team, das sich hier wohl fühlt und sehr gut eingebunden ist, kurze Wege hat und flexibel reagieren kann, Sicherheit bei Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten bietet und gemeinsam mit der Schule Verantwortung trägt. Diese Verlässlichkeit ist mehr als Organisation. Sie schafft Vertrauen – bei Kindern, Eltern, Schule und Schulbegleitenden.

Die Erfahrungen aus zwei Jahren machen deutlich: Wo Verlässlichkeit, Offenheit und Mut, gemeinsame Haltung und flexible Ressourcen zusammenkommen, entsteht mehr als Unterstützung im Einzelfall. Es entsteht ein schulisches Umfeld, in dem Kinder besser ankommen, wachsen und dazugehören können.

Das alles erfordert Courage und Motivation, bedeutet Organisationsaufwand und Veränderungswillen und muss für jede Schule individuell angepasst sein. Aber gerade, weil Unterstützungsbedarfe überall wachsen, zeigt das Modellprojekt an der Schillerschule, wie Schulbegleitung zukunftsfähiger gestaltet werden kann: nicht als starres Einzelsystem, sondern als Teil einer inklusiven Bildungsumgebung, die Kinder früh sieht, Familien entlastet und Schule als gemeinsames pädagogisches System stärkt.

Vielen Dank an die Stadt Jena, die gemeinsam mit Schule und dem Träger Querwege diesen neuen Weg gemeinsam gestaltet und geht!

veröffentlicht am 15. September 2026